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Edles für Krisenzeiten

Platinum bars are stacked at the safe deposit boxes room of the ProAurum gold house in Munich

Platinmetall kann zum Bau von Katalysatoren verwendet werden. Lange bevorzugte die Industrie aber Palladium, der Platinkurs kam kaum voran.(Foto: Michael Dalder/REUTERS)

Zur Absicherung haben Anleger oft Gold und Silber im Depot.
Warum Palladium gerade besser läuft.

von Simone Boehringer

Goldfans hatten in den vergangenen Jahren wenig zu lachen. Der Preis kannte meist nur eine Richtung – abwärts. Jüngst ziehen nun auch die Zinsen wieder an am wichtigsten Kapitalmarkt der Welt, den USA.  Wer Gold oder andere Edelmetalle kauft verzichtet auf Zinserträge, denn das Horten der Metalle per se wirft nichts ab. Hohe Zinsen mindern die Attraktivität von Edelmetall-Investments. Aber dieses Manko stört viele Anleger nicht. Denn Edelmetalle dienen der Absicherung eines Depots in Krisenzeiten, nicht der Renditejagd. In existenziellen Krisen, etwa während der zweiten Ölkrise Ende der Siebzigerjahre, in der Bankenkrise 2008 oder zuletzt in der Griechenland- und Eurokrise (2011/12) zogen insbesondere die Preise von Gold und Silber jeweils deutlich an. Die Menschen hatten Angst, dass sich grundlegende Dinge zum Negativen ändern könnten – in der Ölkrise ging es um Krieg und Frieden, bei Banken- und Eurokrise um nicht weniger als den Fortbestand des Euro als Gemeinschaftswährung. Und Gold und Silber – beide Metalle hatten ja vor Einführung des Papiergeldes und des modernen Bankensystems selbst Geldcharakter – sind genau dann gefragt, wenn das bestehende System infrage gestellt oder eine beschleunigte Entwertung der gesetzlichen Währung erwartet wird. Entspannt sich die Lage wie zuletzt durch diverse Rettungspakete für Griechenland und eine sehr lockere Geldpolitik der Zentralbanken, dann sackt insbesondere der Goldpreis meist gleich wieder ab.

Silber, Platin und Palladium sind auch in der Industrie als Rohstoff gefragt, daher reagieren die Kurse dieser drei Metalle stärker nach konjunkturellen Gesichtspunkten. So steigen die Preise für Palladium in jüngster Zeit sogar. Die Nachfrage kommt zum Gutteil aus der Autoindustrie, das Edelmetall wird für den Bau von Katalysatoren eingesetzt, könnte aber bald durch das günstigere Platin ersetzt werden. Silber wird in der Elektroindustrie genutzt.

Privatanleger investieren in Edelmetalle zumeist in Form von Schmuck oder sie kaufen Edelmetallfonds (ETF) oder Barren und Münzen. Vor Weihnachten nimmt der Bedarf an Anlagemünzen meist zu. Für Präge-, Lager- und Lieferkosten berechnen Hersteller und Händler Gebühren. Daher wird am Schalter nicht zu reinen Marktkursen, sondern mit entsprechendem Aufschlag abgerechnet. Es gilt: Je kleiner die Stückelung, desto höher die Nebenkosten.

(Quelle: sueddeutschezeitung vom 06.10.2018)